Mein 1. Ironman auf Lanzarote

Nach 12 Stunden, 40 Minuten, 29 Sekunden nicht nur ein Ironman, sondern ein echter Mann

Ja, genau diese Zeit war es, die mir den wohl härtesten, aber sicher in sportlicher Hinsicht schönsten und emotionalsten Tag bisher bescherte. Seit Samstag, den 19. Mai 2007, darf ich mich also auch als sogenannter EISENMANN bezeichnen und für alle, die es eventuell genauer wissen wollen, folgend mein Kurzbericht:

Am Montag, 14. Mai ging es also los – auf nach Lanzarote zum härtesten IRONMAN (IM) der Welt, wie er bezeichnet wird. Da es für mich auch sogleich der erste war, war die Spannung schon sehr groß, aber trotzdem konnte ich sehr gelassen an die Sache rangehen, da ich gut trainiert hatte, nie krank oder schlimmer verletzt war. Die größte Triebfeder war ohnehin, dass mich meine Family dabei begleitet hatte und ich mir den Zieleinlauf mit Sohn Emilio nie und nimmer entgehen lassen hätte.

Gut angekommen, vergingen die ersten Urlaubstage sehr schnell und mit täglich ca. 1 – 1,5 Stunden leichtem Training hielten wir uns (ca. 8 Athleten aus Österreich) bis zum Freitag etwas in Schwung. Die Nacht vorm IM war natürlich zum Vergessen, aber das sollte auch so sein, um noch hunderte Mal alle Details durchzugehen. Samstag 4:00 Uhr morgens hieß es Tagwache und auf zur traditionellen Vollkörper Rasur, um schon beim Frühstück um 5:00 Uhr so aerodynamisch wie möglich zu sein. Zwischen 5 – 6:30 Uhr hatten wir nochmals den letzten Check in der Wechselzone, um die Trinkflaschen usw. zu füllen bis zum Start am Lanzarote Beach gleich vorm Hotel. Nach kurzem Einschwimmen ging es also los, und um exakt 7:00 Uhr morgens auf zur ersten Disziplin.

3,8 km Schwimmen stand am Programm und da ich ganz hinten im Feld gestartet bin, hatte ich noch Zeit für einen kleinen Abschied bevor ich untertauchte. Nach anfänglichen Positionskämpfen (dabei blieb meine Uhr stehen) konnte ich einen lockeren Zug schwimmen und mein Tempo finden, bis mir einer die Schwimmbrille verschob, aber das war gleich wieder gerichtet (nur halt mit 1 Liter Salzwasser im Magen), bis die erste Runde über 2 km vorbei war. Die zweite Runde verlief perfekt, da sich die gefürchteten hohen Wellen in Grenzen hielten und somit stieg ich nach 1 Stunde, 22 Minuten aus dem Wasser und machte mich auf zur nächsten Partie …

180 km Radfahren, ja und dabei sollte sich schon zeigen, was den IM auf Lanzarote so schwierig macht. Denn nach wenigen Kilometern kam der berüchtigte Wind auf der Vulkaninsel, der nicht wenige vom Rad geblasen hatte und die Ersten somit den Traum vom IM vorzeitig begraben mussten.

An diesem Tag aber hielt sich bei mir auch dies in Grenzen und nach ca. der Hälfte der Strecke wusste ich schon, das könnte mein Rennen werden. Es machte trotz der unglaublich kahlen, heißen Landschaft (teilweise schon mystisch) viel Spaß sich zu quälen und da ich ganz hinten gestartet bin, konnte ich am Rad eigentlich bis zum Schluss nur überholen. Einzig mein Magen begann nach ca. 100 km zu rebellieren, da man ja ununterbrochen essen und trinken muss und somit musste ich auch sechs Mal absteigen, da ich das kleine Geschäft nicht wie viele Profis am Rad erledigen wollte. Die letzten 60 km zeigte sich dann auch, dass schon sehr viele große Probleme hatten, überhaupt ins Ziel zu kommen und der Hubschrauber schon fleißig einsammeln ging (flog natürlich).

Da ich wie erwähnt an diesem Tag gut drauf war, überraschte ich somit zuallererst meine Frau im Ziel, da ich bereits nach 6,35 Stunden um ca. 15:00 Uhr in den Zielbereich einfuhr und somit nach gesamt 8 Stunden Rennzeit die Wechselzone erreichte, um mich für den alles entscheidenden und sicherlich härtesten Bewerb – dem Marathon – vorzubereiten. Somit hieß es noch einmal Kraft tanken, sich dick eincremen zu lassen (Sonnenschutzfaktor 40 oder so) und mit voller Adjustierung ging‘s raus durch volle Tribünen auf die Laufstrecke und das hieß …

42,195 km Laufen, als letzte Herausforderung an diesem Tag. Und auch hier merkte ich sofort, wie locker ich noch war und überholte gleich einige Athleten bis die erste Schleife über ca. 5 km und retour zum Ziel geschafft war. Ich konnte diesen so gefürchteten Marathon wirklich von Anfang an genießen, da ich meiner Zielzeit von ca. 15 Stunden um 2 – 3 Stunden voraus war und ich wusste auch mit der Hälfte im Gehen wird es noch locker zum Finishen reichen und ich werde ein IRONMAN an diesem Tag. Besonders toll war auch, dass ich dadurch mit oder neben den besten Profis Meter an Meter laufen konnte und wir Österreicher uns gegenseitig beim Kreuzen der Strecke puschten und abklatschten. Diese führte an der herrlichen Promenade von Porto del Carmen vorbei, an der auch noch Zeit für schöne Meerblicke war.

Ich rannte jede der 4 Runden im selben Tempo und hatte mit einigen Magenkrämpfen zu kämpfen, die aber wieder schnell verflogen waren, da ich einfach nicht stehen blieb und mir einredete, das sei ganz normal. Die Beine wurden mit jeder Runde schwerer, doch die unglaubliche emotionale Komponente bei jedem Einlauf ins Zielstadion, in dem ich wieder meine Family, Freunde und tolle Zuseher traf, machten diesen Marathon zum Lauf meines Lebens. So ging es nach etwa 12 Stunden auf in die letzte Runde und da wusste ich schon, dass ich nicht mehr zu stoppen sei.

Obwohl bereits unglaublich viele Athleten gehen mussten oder einfach zur Seite kippten, machte dies meinen Lauf nur leichter, da ich noch immer im selben Tempo unterwegs war und das bis ins Ziel. Dort schnappte ich 200 Meter davor meinen Sohn Emilio, 2 rot-weiß-rote Fahnen und gemeinsam ging es auf die Zielgerade, an der wir Standing Ovations von tausenden Zusehern bekamen. Ich brauche glaub ich gar nicht mehr erwähnen, dass bei diesem Event nach wenigen Minuten die Emotionen nicht zu halten waren und auch ich neben vielen anderen Tränen vergossen habe.

Somit war ER geschafft, mein erster IRONMAN in 12:40:29 Stunden und auch einer großen Party mit oscarreifer Siegerehrung am Sonntag stand nichts mehr im Wege. Dort beschrieb der Sieger Eneko Lanos aus Spanien dieses Rennen auf die Frage, wieso genau dieser IRONMAN der härteste der Welt sei, nur so: „Du bist einfach nichts in diesem Sport ohne dieses Rennen, denn hier ist der einzige Platz auf Erden, wo du gleichzeitig zum IRONMAN und zum MANN wirst.“

Ja Leute, ich hoffe euch nicht zu sehr gequält zu haben mit meiner Schilderung und bitte verzeiht gleich, dass ich diese Info als gesamtes Rundmail an sehr viele gesendet habe. Aber da ich doch, wie nicht erwartet, viele SMS, Gratulationen und vor allem Fragen nach dem Verlauf des IM bekommen habe, war es unmöglich die Story so oft zu erzählen. Daher einfach vergessen, wem es zu uninteressant war, da ich ja ohnehin einigen bei einem guten kühlen Bier noch viel viel mehr Storys über Blinde, Einarmige usw. erzähle. ALSO Ciao, bis bald und wie am Leiberl von Emilio steht … („Papa für Ironman“) Im Speziellen möchte ich mich bei Anna Maria Schweiger und Inge Porenta, die mir mit ihrer tollen Physiotherapie doch das eine oder andere Mal meine Leiden ausbügelten oder einfach unter Strom stellten, und auch bei Christian Prohaska, der mir des Öfteren ein IM-Menü zubereitete, bedanken.

Bilder vom Ironman auf Lanzarote